In diesem Interview spricht N26-Mitgründer Valentin Stalf über sein Fintech, warum Amerika ein so verlockender Markt ist, wie die Bankenregulierung anders gestaltet werden sollte und wie AI bei N26 bereits jetzt zum Einsatz kommt. Er gibt Einblicke in eines der vielversprechendsten Unternehmen des Jahres 2018.

Was war der Auslöser für die Gründung von N26?

Wir haben N26 aus einer reinen Kundenperspektive gegründet, weil wir als Kunden traditioneller Banken mit deren Leistungen nicht zufrieden waren. Die Digitalisierung hat viele Industrien verändert – die Bankenwelt entwickelt sich in diesem Bereich allerdings eher langsam. Schließlich nutzen wir täglich Spotify, Netflix, kaufen Tickets für öffentliche Verkehrsmittel über unser Smartphone – warum also nicht auch Bankgeschäfte mit dem Smartphone tätigen?
Grosse traditionelle Banken haben Schwierigkeiten bei der digitalen Transformation, wobei besonders die Grösse diesen „Change“ erschwert. Durch dieses Vakuum gibt es ein riesiges Marktpotenzial für neue Anwendungen und Unternehmen im Banking.

Wie geht N26 mit der teils unsicheren Situation bzgl. Regulierungen für Fintechs um?

Für uns ist dies aktuell kein grosses Thema. Wir können mit einem flexiblen Startup Mindset agieren, sind aber natürlich genauso reguliert wie jede andere Bank auch. Der Nachteil des Systems dieser Regulierung ist, dass dieses nicht serviceorientiert ist. Es gibt vor der Entwicklung neuer Anwendungen keinen proaktiven Austausch. Es wird erst ausprobiert und im Nachhinein erhält man die Resonanz des Regulators.

Fintechs wie N26 revolutionieren die Bankenbranche. Welche positiven Aspekte bringen Unternehmen wie Ihres in die Bankenbranche ein und wie verändern Sie diese?

Laut des Millenial Disruption Index gehen 7 von 10 Millenials lieber zum Zahnarzt, als einen Termin bei ihrer Bank zu vereinbaren. Kein Wunder, denn die Kundenbedürfnisse haben sich in den letzten Jahren dramatisch verändert – von Offline zu Online zu Mobile. N26 ermöglicht seinen Kunden europaweit das flexibelste Banking-Erlebnis. Die Kontoeröffnung dauert nur wenige Minuten und findet komplett papierlos und übers Smartphone statt, Kunden können Ausgaben und Einnahmen in Echtzeit verfolgen und mit nur wenigen Klicks in Sekunden Unterkonten eröffnen. Zudem sind wir für unsere Kunden die kostengünstigste Alternative zu traditionellen Banken.
N26 ist näher an seinen Kunden dran als traditionelle Player: Kunden besuchen unsere App mehrmals täglich und kontaktieren uns über digitale Kanäle wie zum Beispiel unseren Chat.
Dank unserer Premium-Angebote N26 Black und N26 Metal profitieren Kunden von einem exklusives Partnerprogramm, das auf die Bedürfnisse “digitaler Leute” zugeschnitten ist, einem bevorzugten Kundenservice, einer weltweiten Reiseversicherung und vielem mehr.
Zusammengefasst bietet N26 also das flexibelste Konto zum besten Preis, das sich ganz nach den Kundenbedürfnissen der “digitalen Leute” richtet.

Benutzen Sie bei N26 bereits Artificial Intelligence (AI) Systeme und wie breit sehen Sie deren Einsatzfähigkeit in Zukunft?

Bei 50% der Kundenanfragen handelt es sich um repetitive Fragen, welche schnell beantwortet werden können. Wir verwenden künstliche Intelligenz daher zum Beispiel im Rahmen unseres Facebook Chatbots, der für unsere Kunden eine einfache und schnelle Möglichkeit bietet, um mit N26 in Kontakt zu treten. Dadurch haben wir mehr Kapazitäten für wichtigere und umfassendere Themen und Fragen unserer Nutzer.  
Künstliche Intelligenz spielt zusätzlich eine essentielle Rolle in der Betrugsprävention. Mit der Weiterentwicklung von KI werden wir Banking für unsere Kunden noch einfacher und unsere App noch ansprechender gestalten.

N26 hat seit kurzem mit dem chinesischen Internetkonzern Tencent einen Investor, welcher mit Messagingdiensten in Asien sehr erfolgreich ist. Welche Erfahrungen in diesem Markt können N26 bei der weiteren Entwicklung helfen?

Bei Tencent handelt es sich um einen Finanzinvestor, kein strategisches Investment. Tencent besitzt ein hervorragendes Verständnis der Finanzmärkte und ist Marktführer für Bankprodukte ich China. Ein weiterer Investor ist die Allianz, welcher global zu den grössten Assetmanagern und Versicherern gehört. Mit diesen Investoren haben wir starke Partner, von denen wir sehr viel lernen können.
Zudem verstehen es beide, die Macht intelligenter Technologien und des Designs zu nutzen, um ganze Branchen neu zu denken. In unserem Fall sind sie voll und ganz auf unsere Vision ausgerichtet, das Banking einfacher und transparenter zu machen, auf die finanziellen Bedürfnisse der Kunden einzugehen.

N26 wird in Kürze auch in den USA verfügbar sein. Welche Unterschiede ergeben sich in den Bedürfnissen der Kunden in den USA gegenüber den Kunden in Europa?

Wir haben festgestellt, dass amerikanische Kunden mit dem vorhandenen Banking Angeboten eher unzufrieden sind. Die Kundenbedürfnisse in den USA lassen sich mit unseren bisherigen Märkten in Europa also sehr gut vergleichen. In den USA ist der Fintech-Bereich zwar deutlich weiter fortgeschritten als in Europa und es gibt sehr gute Finanzprodukte rund um das klassische Konto von Sparen über investieren bis hin zu Kredit. Bisher gibt es allerdings kein Start-up, das das klassische Konto komplett digitalisiert hat. Die Chance, einen weiteren Markt mit mehr als 350mio Kunden zu bedienen, wollen wir uns daher nicht entgehen lassen.

Wie sieht das Marktumfeld für Fintechs im Bankensektor aus?

Der Fintechbereich ist in der Bankenbranche noch nicht so dicht aufgestellt. Noch immer gibt es in ganz Mitteleuropa extrem viele Produktbereiche in der Finanzwelt, in denen es zu wenig digitalisierten Wettbewerb gibt. Für uns hat es ein Riesenpotential, hier Marktanteile zu gewinnen.

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Valentin Stalf studierte Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen. Später gründete er zusammen mit einem Partner Europas erste mobile Bank N26. Sie zählt inzwischen fast eine Million Kunden und ist somit Europas Nr. 1 Fintech. N26 ist auf das Smartphone-Zeitalter spezialisiert und fokussiert sich seit der Gründung im Jahre 2013 stets auf das Kundenerlebnis. Mittlerweile führt Valentin Stalf ein Team von über 400 Mitarbeitenden bei N26.

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