Der Betrug am Telefon nimmt seit Jahren weiter zu und besonders ältere Menschen werden Opfer von Tathandlungen wie Enkeltrick oder falschen Gewinnversprechen. KOK Kratzer von der Kriminalpolizeidirektion Freiburg im Breisgau erklärt im Interview das neue Vorgehen der Täter, Tipps gegen Betrugsversuche und warum man misstrauisch sein sollte, wenn man von der Nummer 110 angerufen wird.

In den letzten Jahren ist in den Nachrichten vermehrt von Betrugsfällen am Telefon berichtet worden, bei welchen Täter große Mengen Bargeld erbeuten konnten. Besonders der Enkeltrick wird hierbei genutzt, um als vermeintlicher Verwandter eine Notlage vorzutäuschen. Welches Vorgehen ist bei den Tätern zu beobachten?

Die Zahl der Betrugsdelikte ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Insbesondere beim Betrug werden zuletzt verschiedenste Tathandlungen angewandt. So kann man oft gar nicht mehr vom klassischen Enkeltrick, Gewinnversprechen oder falschen Polizeibeamten sprechen.  Bei sehr vielen Tathandlungen wird das Vertrauen indie Polizei missbraucht und angebliche Polizeibeamte agieren als Täter, um die Geschädigten von der Richtigkeit der Geschichtezu überzeugen oder um Informationen zu erhalten.

Der Enkeltrick hat immer wieder Erfolg, obwohl davon seit längerem gewarnt wird. Was sind die Gründe dafür? Hat sich das Vorgehen der Täter in den letzten Jahren verändert?

Der Durchschnitt der Bevölkerung wird immer älter. Und gerade ältere Menschen haben häufig ihre Ersparnisse zu Hause oder auf der Bank – auch wenn sie nur klein sind.  Die häufig bei dieser Altersgruppe vorhandene Hilfsbereitschaft wird durch die aus dem Ausland agierenden Täter ausgenutzt. In den vergangenen Jahren waren der Enkeltrick und das Gewinnversprechen das meist verübte Betrugsdelikt unter den Anrufstraftaten. Um davor zu warnen und für die Thematik insgesamt zur sensibilisieren, betreiben wir seit mehreren Jahren hierzu offensive Öffentlichkeitsarbeit.

In den vergangenen Jahren kam eine weitere Abwandlung der Anrufstraftaten hinzu: Der falsche Polizeibeamte.

Bei dieser Betrugsmasche geben sich die Täter am Telefon als Polizeibeamte aus. Mit dem sogenannten Call-ID-Spoofing wird vorgetäuscht, sie würden von der Notrufnummer „110“ aus anrufen, häufig auch mit der örtlichen Vorwahl. So erschleichen sie sich das Vertrauen der Angerufenen.

Mit geschickter Gesprächsführung erwecken die vermeintlichen Polizisten den Eindruck, die Angerufenen seien im Visier von Einbrechern, die es auf ihr Geld und ihre Wertgegenstände abgesehen haben. Die falschen Amtsträger gaukeln den Leuten außerdem vor, dass deren Wertsachen weder zu Hause noch auf der Bank sicher seien. Deshalb sollten die Opfer auch ihre Konten und Bankdepots leeren. Es wird ein Bote vorbeigeschickt, der das Geld und sämtliche Wertsachen abholt, um sie vermeintlich „in Sicherheit“ zu bringen.

 Manchmal fordern die Betrüger ihre Opfer auch auf, ihr Geld mit einem Finanzdienstleister bar ins Ausland zu transferieren. Daneben existieren vielfältige Variationen und von den Tätern erfundene Nebenszenarien wie z.B. abgehörte Telefonate zwischen den Tätern, von der Bank durch korrupte Bankmitarbeiter untergeschobenes Falschgeld, dass überprüft werden müsse, usw.

Insbesondere dieser Phänomenbereich bereitet der Polizei bei ihrer Arbeit gegenwärtig Schwierigkeiten. Ein Geschädigter, welcher durch einen falschen Polizeibeamten kontaktiert und instruiert wurde ist manchmal im Rahmen der Ermittlungen schwer von der Wahrheit zu überzeugen. Das Schlimmste für uns ist allerdings, dass das Vertrauen in die richtige Polizei durch diese Taten nachhaltig geschädigt wird.

Wie sollten Betroffene solcher Anrufe reagieren und welche Tipps gibt die Polizei? Welche Beratungsangebote bietet die Polizei für Senioren an, um auf die Gefahren aufmerksam zu machen?

Bitte beachten Sie: Die Polizei ruft Sie niemals unter der Notrufnummer 110 an. Seien Sie misstrauisch, wenn Sie diese Nummer auf IhremTelefon sehen.

 Jeder, der durch einen Betrüger kontaktiert wurde sollte unverzüglich den Notruf 110 wählen und den Sachverhalt zur Anzeige bringen. Hier können auch kleinste Informationen zum Erfolg der Festnahme führen. ^ 

  • Sollten Sie von einem Betrüger angerufen werden, lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Legen Sie den Hörer auf, wenn Ihnen etwas merkwürdig erscheint. 
  • Sprechen Sie am Telefon niemals über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.

  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen.
  • Sprechen Sie mit IhrenFamilien oder anderen Vertrauten über den Anruf.

Durch unseren Fachbereich Prävention werden regelmäßig Veranstaltungen in Einrichtungen durchgeführt, in denen lebensältere Menschen wohnen oder sich aufhalten. Dort informieren wir regelmäßig durch geschulte Polizeibeamte zu neuesten Betrugsvarianten.

Gibt es für nahe Angehörige von Betrugsopfern Anzeichen, um solche Taten frühzeitig zu erkennen?

Die Dunkelziffer in diesem Deliktsbereich ist leider immens hoch. Geschädigte, die zum Teil ihre gesamten Ersparnisse den Tätern übergeben haben schämen sich für ihr Handeln. Oft erkennen sie zu spät, dass sie einem Betrüger zum Opfer gefallen sind. Aber nicht nur Geschädigte, die Geld oder Wertsachen übergeben haben, leiden unter den Anrufen. Auch bei Versuchstaten leiden die Geschädigten zum Teil noch Wochen nach der Tat.

Haben Sie als Angehörige lebensältere Menschen in Ihrem Bekanntenkreis sprechen Sie diese gegebenenfalls sensibel auf die Möglichkeit solcher Betrugsvarianten an.

Handelt es sich bei den Betrügern eher um Einzeltäter, oder organisierte Banden?

Anrufstraftaten wie der Enkeltrick und der Betrug durch falsche Polizeibeamte funktionieren in der Regel nur durch banden- und gewerbsmäßiges Handeln. Die Tätergruppierungen sind straff organisiert, wobei mehrere Täter arbeitsteilig agieren. Diese Betrugshandlungen stellen strafrechtlich eine schwere Straftat dar, die den Rechtsfrieden empfindlich stört, indem sie bedeutsame Rechtsgüter wie Eigentum von bedeutendem Wert verletzt. Für diese Straftaten liegt die Mindeststrafandrohung nicht unter einem Jahr, womit sie einen Verbrechenstatbestand darstellen.

Wie können Bankangestellte verdächtige Abhebungen erkennen und entsprechend geschult werden? Wie kooperiert die Polizei mit Banken?

Gerade ältere Menschen sind häufig über viele Jahre hinweg Kunde/Kundin derselben Bank. Deshalb kennen die Bankmitarbeiter oft die persönlichen Verhältnisse und Lebensumstände dieser Senioren und diese sollten aufmerksam werden:

  • wenn lebensältere Menschen, die sich sonst begleiten lassen, alleine zur Bank kommen,

  • oder zu einer völlig atypischen Zeit (Tageszeit, Wochentag) kommen,

  • und ohne vorherige Anfrage oder Ankündigung hohe Geldbeträge sofort bar auszahlen lassen wollen.

Bei Verdachtsfällen auf einen Betrug sollte unverzüglich die Polizei informiert werden.

 

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